Digitale Nachbarschaft mit dem Terror?
Wie Accounts der Berliner Linken zu Hamas-nahen Netzwerken führen.

Eine netzwerkanalytische Spurensuche zeigt die unheilvolle Schnittstelle zwischen Berliner Mandatsträgern und pro-terroristischen Akteuren.

Der ehemalige Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, erklärte am 29.08.2026 bei Maischberger:

„Herr Ferat Koncak ist immer sehr ehrlich, der legt alle seine Sachen transparent offen. Wenn er das sagt, glaube ich ihm das, aber… und ein paar Menschen in Neukölln. Das ist eine ganz kleine Minderheit in dieser Partei, die hat hier nichts zu sagen. Und das ist falsch, dass so ein Ibrahim Ibrahim auf einer Parteiveranstaltung redet, ist falsch. Da sind wir uns doch einig. So, das darf nicht passieren. Die haben aber in Berlin nichts zu sagen, das sind einzelne Leute, die ihn eingeladen haben, die auch solche Dinge sagen, die kritisiere ich auch. So, und mein Ziel ist, dass diese Menschen diese Partei verlassen, weil wir stehen ganz klar an der Seite der Jüdinnen und Juden in Berlin. Wir wollen jüdisches Leben hier in Berlin stärken und sowas gehört nicht dazu.“

Ob es sich dabei tatsächlich nur um eine „ganz kleine Minderheit“ handelt, die in der Partei nichts zu sagen hat, lässt sich anhand digitaler und struktureller Belege überprüfen.

Auf Instagram folgen die Accounts @der_neukoellner, @vedi.emde, @basem4nekoelln, @marthriarchy und @lag.palisoli.linke.berlin einem besonderen Account: dem Profil von Ryad Aref (@ryad.aref). Ryad Aref hat auf Instagram ca. 360.000 und auf Facebook über 500.000 Follower.

Der Accountinhaber wurde am 29.09.2026 vom Tagesspiegel wie folgt beschrieben:

„Der filmende Mann zeigte in sozialen Medien bis vor einigen Jahren eine Nähe zur als gemäßigter geltenden Fatah des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. Deren bewaffneter Arm, die „Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden“*, für die der Aktivist ebenso Sympathien zeigte, war allerdings auch für Selbstmordattentate verantwortlich; einzelne Anhänger beteiligten sich am Angriff der islamistischen Hamas auf Israel im Oktober 2023. Auf Fotos posierte augenscheinlich der Mann 2017 – offenbar in Gaza – mit einem Maschinengewehr, Modell AK47. Aus seinem Umfeld wird dagegen kolportiert, bei dem Mann auf dem Foto handle es sich um den Bruder, der nach 2023 in Gaza, offenbar von der Hamas, getötet worden sein soll.“

Die oben genannten Accounts gehören einflussreichen Politikern der Partei Die Linke. Es sind der Reihe nach:

  • Ferat Koncak, Bundestagsabgeordneter;
  • Vanessa Emde, Bezirksvorstand der Neuköllner Linken, neugewählte Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses (AH);
  • Martha Kleedörfer, Vorsitzende des Bezirksverbands Berlin Mitte, ebenfalls ins Berliner AH neugewählt;
  • Basem Said, neugewählter Bezirksverordneter und Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Palästinasolidarität innerhalb des Berliner Landesverbandes der Partei Die Linke.

Führende Köpfe der LAG sind Hannah Bruns (Sprecherin), Martha Kleedörfer (gewählte Direktkandidatin aus dem Bezirksverband Mitte), sowie Jacky Sanehy und Deike Janssen (beide stammen ebenfalls aus dem Bezirksverband Mitte und gewannen Direktmandate für das Abgeordnetenhaus).

Ryad Aref wiederum folgt all diesen genannten Berliner Linken-Politikern.

Dass man sich auf Social-Media-Plattformen gegenseitig folgt, ist an sich nichts Verwerfliches. Allerdings ist ein solches Follow-Netzwerk entweder ein Zeugnis extremer Vernachlässigung der politischen Hygiene und Sicherheitsvorkehrungen oder – im schlimmsten Fall – ein Beleg für ideologische Graubereiche und mangelnde Distanzierung von extremistischen Akteuren.

Im Januar postete Ryad Aref auf seinem Account ein Foto, das es in sich hat:

Es zeigt ihn am 04.01.2026 zusammen mit einem weiteren aktiven Mitglied der palästinensischen Szene in Berlin und dem Fotografen Abdelrahman Alkahlout (@abd.pix96 🔗, Facebook-Profil 🔗). Aufgenommen wurde es in einem Neuköllner Szene-Treffpunkt.

Abdelrahman Alkahlout ist in Gaza und in Istanbul eng mit der Hamas vernetzt. Dies belegt u. a. ein Video, das am 23.09.2023 in einem Istanbuler Krankenhaus aufgenommen wurde.

Am Krankenbett des Hamas-nahen Journalisten Ashraf Amra begegnet Alkahlout dem Hamas-Führer Ismail Haniyeh, Taher al-Nunu (Medienberater und hochrangiges Mitglied des Politbüros der Hamas) und einem von Haniyehs Leibwächtern. Haniyeh begrüßte Alkahlout dabei innig mit Küssen. Alkahlout und Haniyehs Leibwächter nickten sich zudem sehr vertraut zu.

Interessant ist, wer dieses Video auf Social Media teilt und wer Genesungswünsche an Amra ausrichtet: Es sind vor allem „Journalisten“, die später am 07.10.2023 für die Hamas die Massaker und Geiselnahmen im israelischen Kibbuz Nir Oz filmten und fotografierten – einer davon ist Mohammed Abu Mostafa Fayq. Hier auf einem Video mit Ashraf Amra, aufgenommen am 07.10. mittags auf der Terrasse des Titanic-Restaurants in Khan Yunis.

Über Abdelrahman Alkahlouts Instagram-Account erschließt sich ein großer Teil der sogenannten „Smart“-WhatsApp-Gruppe. Der palästinensische Fotograf Moataz Azaiza, der im November 2023 plötzlich zu Ruhm und zu 14 Millionen Followern auf Instagram kam, schilderte in einem Interview auf Youtube am 03.09.2026 den Charakter dieser geschlossenen Gruppe:

Azaiza: „Genau. Bis Dezember gab es diesbezüglich eigentlich kaum Probleme. Erst als die Videos öfter geteilt wurden, fingen die Reaktionen an. Plötzlich hieß es von bestimmten Leuten: ‚Was machst du da eigentlich? Warum zeigst du das?‘ Und das ging so weit, dass manche mir Vorwürfe machten.“

Interviewer: „Gibt es einen Unterschied zwischen den Inhalten, die wir auf X (Twitter) sehen, und dem, was du persönlich erlebt hast? Kannst du erklären, wie diese Online-Kampagnen funktionieren? Ist das etwas, das von zentralen Stellen gesteuert wird, oder entsteht das eher spontan durch Einzelpersonen? Die Leute, die in den Medien arbeiten, wissen doch ganz genau, wie das läuft.“

Azaiza: „Am Anfang gab es strukturierte Gruppen wie das ‚Smart‘-Netzwerk (ein Mediennetzwerk nahe der Hamas), in dem viele Journalisten aus Gaza organisiert sind. Da gab es klare Anweisungen und Absprachen. Aber im Laufe des Krieges gab es plötzlich interne Spannungen und Spaltungen innerhalb der Hamas selbst, und das hat sich sofort auf die Gruppen ausgewirkt. Wer plötzlich ins Visier geriet, wurde massiv attackiert – so schnell kann sich das Blatt wenden.“

Azaiza: „Derjenige, der das leitet, nennt sich zwar Journalist, aber er ist kein echter Journalist. Es handelt sich eher um regierungsnahe Medien oder Bewegungsmedien.“

Azaiza (unterbricht): „Auf Telegram zeigen sie dir ja nur einen Ausschnitt. Aber in den WhatsApp-Gruppen von ‚Smart‘ tauschen sich die Leute untereinander aus. Da gibt es Administratoren, die bestimmen, wer was posten darf und welche Inhalte gestreut oder gelöscht werden sollen.“

Moataz Azaiza lebt nach seiner Ausreise aus Gaza im Januar 2024 zurzeit in New York. Er tingelte genauso wie Alkahlout durch die Welt und macht ebenso Propaganda für den „Palästinensischen Widerstand“.

Neben dem vermeintlichen Anführer dieser WhatsApp-Gruppe, dem Hamas-Mediendirektor Wael Omar, sind bzw. waren Hassan Eslaiah (Mitglied des militärischen Flügels der Hamas), Ashraf Amra und Hani Alshaer die tragenden Köpfe. Diese vier „Journalisten“ machen aus ihrer Verbundenheit mit der Hamas keinen Hehl. Zur Erinnerung einige Beispiele aus ihren Social-Media-Accounts:

  • Wael Omar – [Screenshot einfügen]
  • Hassan Eslaiah – [Video und Foto einfügen]
  • Ashraf Amra – [Video und Foto einfügen]
  • Hani Alshaer – [Foto einfügen]

Es verwundert vor diesem Hintergrund kaum, dass Ryad Aref seit dem Treffen in Neukölln einigen führenden Politikern der Linken auf ihren Accounts folgt und umgekehrt. Ryad Aref hat insbesondere in Neukölln leichten Zugang zu Veranstaltungen und Interviewpartnern der Partei.

So interviewte er noch am Wahlabend den designierten Bezirksbürgermeister der Linken für Neukölln, Ahmed Abed (@ahmedabednk 🔗, Instagram). Dieser hatte sogleich eine zentrale Botschaft für die „Palästinenser-Szene“ parat: die Forderung nach Straffreiheit für den antisemitischen Slogan „Freiheit für Palästina“. Was unter diesem Slogan zu verstehen ist, machte der Dritte im Bunde, @samerberlin44, auf dem Foto vom Januar 2026 auf Instagram unmissverständlich deutlich. Die Signale aus Neukölln wurden offenkundig auch in Gaza wohlwollend aufgenommen.

Folgt man den digitalen Spuren aller Beteiligten tiefer, werden weitere Accounts sichtbar, die zur Sympathisanten-Szene des palästinensischen „Widerstands“ gehören – dem etablierten Dachbegriff für den Zusammenschluss der verschiedenen Terrorgruppen unter Führung der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ).

Alle hier genannten Politiker Der Linken haben ebenso wie ihre Partei bis heute die Massaker in Israel am 07.10., welche zurecht auch als Genozid bezeichnet werden könnten, nicht eindeutig verurteilt.

Vor diesem Hintergrund muss sich die Partei Die Linke fragen, wie sie ihren proklamierten Anspruch – „Wir wollen jüdisches Leben hier in Berlin stärken und sowas gehört nicht dazu“ – angesichts dieser dokumentierten Realität durchzusetzen gedenkt. Ohne dass sich Die Linke konsequent von diesen Mitgliedern trennt und die antisemitisch und extremistisch wirkenden Arbeitsgemeinschaften wie die „Palästina-Solidarität“ auflöst, bleibt dieser politische Selbstanspruch höchst fragwürdig.


* Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden (AAMB)
Am 7. Oktober um 08:30 Uhr gaben die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden bekannt, dass sie sich dem Angriff auf Israel anschließen würden. Die Mitglieder der Gruppe tragen häufig gelbe oder weiße Stirnbänder mit den in Schwarz geschriebenen Aufschriften „Kataib Al-Aqsa“ und „Lwa’ Al-Amoudi“, um sich zu kennzeichnen. Die Gruppe veröffentlichte Filmmaterial über ihre Beteiligung an den Angriffen, unter anderem auf den Kibbuz Kissufim, sowie über die Übergabe von Geiseln zwischen verschiedenen Gruppen.
(7 October Parliamentary Commission Report, Chaired by Lord Roberts of Belgravia, PREPARED BY THE ALL-PARTY PARLIAMENTARY GROUP FOR UK-ISRAEL)

Wolfgang Tietze, Journalist, @WolfgangTietze3 🔗