17 Zeugen eines Kriegsverbrechens:
Palästinensische „Journalisten“ schwiegen für die Hamas

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Wolfgang Tietze | Veröffentlicht: September 2026 (Deutsche Originalfassung)

Vorbemerkung:
Die Enttarnung der Inszenierung: Eine forensische Aufarbeitung des 7. Oktober

Am 07.10. mordete die Hamas nicht nur in Israel, sie tötete auch die Wahrheit. An diesem Tag sprang eine gigantische Propagandamaschine an. Während „Journalisten“ aus Gaza in Israel ihre Massaker filmten und in den Social-Media-Kanälen damit prahlten, dokumentierten ihre wichtigsten Fotografen und Kameraleute die Euphorie über den angeblichen Sieg im Inneren von Gaza. Sie zeigten, wie Geiseln gequält und durch die Straßen geschleift wurden – und wie sie in das wichtigste Krankenhaus Gazas, das al-Shifa-Krankenhaus, gebracht wurden, um sie in den Tunneln verschwinden zu lassen. Kein Arzt, kein Pfleger des Krankenhauses eilte zur Hilfe; sie schauten nur begeistert aus ihren Fenstern zu.

In meinem Artikel „7. Oktober – Die Geiseln der Hamas im al-Shifa-Krankenhaus“ habe ich anhand von verfügbaren Bildern, Videos, Kommentaren und Zeitungsmeldungen versucht, den Weg der Geiseln in Gaza nachzuzeichnen.
Ich denke, dies ist teilweise gelungen. Ein großes Hindernis dabei war sicherlich die enorme Menge an Daten, die gesichtet werden mussten, die sprachlichen Barrieren und die immer noch vorhandene Unkenntnis über die Örtlichkeiten. Es war eine zeitintensive Puzzleteil-Arbeit. Vieles erschloss sich erst nach sehr genauen Betrachtungen. Und vieles bleibt nach wie vor offen.
Ich habe sehr, sehr viel Zeit damit verbracht und kaum Unterstützung bekommen. Sämtliche Anfragen wurden weder von offiziellen Stellen in Israel noch von der israelischen Botschaft in Deutschland beantwortet.
Und trotzdem denke ich, dass ich den Geiseln und ihren Angehörigen etwas Licht für die dunklen Stunden am Vormittag des 07.10. geben konnte.
Dieser zweite Teil liefert nun die entscheidenden neuen Erkenntnisse: Er zeigt, dass nichts an diesem Tag dem Zufall überlassen war. Er verknüpft die Aufnahmen zu einer lückenlosen Storyline und beweist, wie minutiös die mediale Begleitung geplant war.
Die Fortsetzung dieses Artikels nennt nun die Namen der Zeugen. Es sind die Namen derjenigen, die vor Ort waren und die Verbringung der Dutzenden Geiseln in das al-Shifa-Krankenhaus dokumentierten.
Es waren „Journalisten“ aus Gaza, die fotografierten und filmten, wie die Geiseln von ihrem „palästinensischen Widerstand“ in dieses Krankenhaus gebracht wurden. Sie halfen nicht – niemand half, kein Pfleger und kein Arzt. Sie alle schauten zu und jubelten, als blutverschmierte Geiseln aus den Fahrzeugen auf den Hof des Krankenhauses gezerrt wurden.
In den ersten Tagen verkauften sie einige ihrer Aufnahmen vor allem an Medien in arabischen Ländern. Aber schon da manipulierten sie die Bedeutung dieser Fotos: Sie bezeichneten die israelischen Geiseln als verletzte palästinensische Zivilisten und verheimlichten den Ort des Geschehens. Dann ließen sie ihre Aufnahmen langsam verschwinden. Ihre Agenturen versteckten sie auf ihren Webseiten. Und wenn mal ein Foto zu westlichen Medien gelangte, dann nur mit manipulierter Bildunterschrift. Sie waren sich so sicher, dass keine dieser Redaktionen sich die Mühe machen würde, die wahre Bedeutung des Bildmaterials zu ergründen.

Die Zeugen
Die anonymen Bilder und Videos, die bisher keinen Autor erkennen ließen, bekommen nun ihre Urheber.
17 „Journalisten“, teils mit internationalen Auszeichnungen versehen, sind die Autoren und Urheber dieses Bildmaterials.
Sie sind nicht mehr anonym. Die Bilder und Videos bekommen ein Gesicht und einen Namen. 9 „Journalisten“ konnte ich bis jetzt namentlich identifizieren. Einige davon betrieben aktiv Hamas-Propaganda auf Telegram.
Es war kein Zufall, kein journalistisches „Zur-rechten-Zeit-am-rechten-Ort“, sondern eine präzise Vorbereitung. Wenn Dutzende Geiseln an einen bestimmten Ort wie das al-Shifa-Krankenhaus verbracht werden und dort bereits eine zweistellige Anzahl lokaler, oft international ausgezeichneter „Journalisten“ mit ihren Kameras bereitsteht – während im Hintergrund sogar ein stationäres Kamerateam mit einem Satelliten-Übertragungswagen (SNG) positioniert ist, um die Bilder direkt in die Welt zu senden –, bricht das die Illusion des unbeteiligten Reporters komplett auf. Das entlarvt diese Akteure nicht als neutrale Berichterstatter, sondern als Zeugen und Mitwissende, die über das Eintreffen und den Zustand der Geiseln im Voraus informiert waren oder zumindest nahtlos in die Choreografie eingebunden waren…

Das al-Shifa-Krankenhaus: Die 17 Zeugen vor Ort – die Urheber der Aufnahmen vom 07.10.

Im Zuge meiner Recherchen fand ich 15 verschiedene Fotos von insgesamt 5 bekannten palästinensischen Fotografen aus Gaza. Ich fand diese vorwiegend auf Veröffentlichungen in Zeitungen, bei Telegram, oder auf Webseiten. Nur ein Foto fand ich bei der Agentur eines Fotografen. Dieses Foto erwarb ich sogleich. Alle anderen Fotos wurden überwiegend im arabischen Raum und außerhalb der westlichen Welt veröffentlicht. Kein Foto fand ich bei der Suche unter dem Stichwort „al-Shifa“.
Alle Bildunterschriften verheimlichen den wahren Ort des Geschehens, das al-Shifa-Krankenhaus. *
*Alle hier verwendeten Fotos der 5 Fotografen sind, bis auf das eine Foto von Haitham Imad Nr. 04, Screenshots aus Veröffentlichungen. Es sind keine Originale. Die Bildunterschriften sind den jeweiligen Artikeln und den Agenturen entnommen.

Rizek Abduljawad (Xinhua)
Langjähriger Fotojournalist und Korrespondent für die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua in Gaza. Dokumentierte am 07.10. die Ankunft und Zurschaustellung der Geiseln am al-Shifa-Krankenhaus mit seiner Kamera.

Original / Verfälschende Bildunterschrift
„Am 7. Oktober bestiegen Palästinenser in Gaza-Stadt ein israelisches Militärfahrzeug. Xinhua Nachrichtenagentur (Foto von Rizek Abduljawad).“
Gaza, 7th Oct, 2023. Palestinians are seen on an Israeli military vehicle in Gaza City, Oct. 7, 2023. TO GO WITH „3rd LD: Massive rockets fired from Gaza into Israel, at least 22 Israelis killed“ Credit: Rizek Abdeljawad/Xinhua/Alamy Live News
International vertrieben wurde es mit dieser Bildunterschrift.

Abed Abu Reash (AP)
Freier Fotojournalist, der regelmäßig für internationale Agenturen wie die Associated Press (AP) arbeitete. Befand sich am Vormittag des 07.10. nachweislich unter den Kameraleuten auf dem Hof des al-Shifa-Krankenhauses.

Original / Verfälschende Bildunterschrift
„A Palestinian rides with the body of an Israeli killed by Hamas militants in a kibbutz near the Gaza Strip fence in Gaza City, Saturday, Oct. 7, 2023. (AP Photo/Abed Abu Reesh)“

Imad Haitham (EPA)
Fotograf für die European Pressphoto Agency (EPA) mit langjähriger Präsenz im Gazastreifen. Lieferte Bildmaterial aus dem direkten Umfeld der eintreffenden Geiselfahrzeuge al-Shifa-Krankenhaus.

Original / Verfälschende Bildunterschrift
„Palestinians ride an Israeli military vehicle in the streets of Gaza amid a military operation launched by Hamas in southern Israel on October 7, 2023 [EPA/Haitham Imad].“

„Vor zwei Jahren überfiel die Hamas Israel – mehr als 1.200 Menschen wurden getötet, über 250 als Geiseln verschleppt. Der 7. Oktober bleibt Israels dunkelster Tag.“

„Palestinians ride an Israeli military vehicle in the streets of Gaza amid a military operation launched by Hamas in southern Israel on October 7, 2023 [EPA/Haitham Imad]“

„Hamas veröffentlichte Aufnahmen gefangener israelischer Soldaten bei der Operation „Al-Aqsa-Flut““
• Status: Ausnahme – Direkt erworbenes Originalfoto von der Agentur EPA.

Mohammed Salem (Reuters)
Preisgekrönter Reuters-Fotograf, dessen Aufnahmen weltweite Bekanntheit erlangten. Stand am 07.10. in direkter Verbindung zu den Berichterstattungen und Abläufen rund um das al-Shifa-Krankenhaus.

Original / Verfälschende Bildunterschrift
https://nabd.com/s/126095231-c928c7/نقل-متواصل-للمصابين-الفلسطينيين-الى-مجمع-الشفاء-الطبي-تصوير-محمد-سالم-روداو (Übersetzung: „Kontinuierlicher Transport von palästinensischen Verletzten zum Al-Shifa-Medizincomplex. Aufnahme – Mohammed Salem – Reuters, Rudaw“)

Alle Fotos wurden in einer Galerie mit dieser Beschreibung veröffentlicht. Um den tatsächlichen Fotografen zu verschleiern, wurde anfangs nur Reuters genannt, der Name verfälscht und später ein Digitales Wasserzeichen eingefügt.

Mohammed Talatene (DPA)
Freier Journalist und Kameramann, der unter anderem für die Deutsche Presse-Agentur (DPA) aus Gaza berichtete. Dokumentierte die Szenen vor Ort, während Geiseln in das Krankenhausareal verbracht wurden.

Original / Verfälschende Bildunterschrift
„Palästinenser übernehmen die Kontrolle über ein israelisches Militärfahrzeug, nachdem sie den Grenzzaun zu Israel von Jabalia im nördlichen Gazastreifen überquert haben.“

Originale Bildunterschrift (dpa):
„October 7, 2023, Gaza Strip: Palestinian take control of an Israeli military vehicle after crossing the border fence with Israel from Jabalia in the northern“

„Palestinians in Gaza City commandeered an Israeli military vehicle on Saturday. MOHAMMED TALATENE/ZUMA PRESS“

Osama S. Al Ashi (ARD)
Lokaler Medienmacher und Verbindungsperson, die in diesem Kontext auch mit westlichen Anstalten wie der ARD in Verbindung stand. Gilt als Kopf des Netzwerks vor Ort, das die Bewegungen und Aufnahmen am al-Shifa-Krankenhaus koordinierte.

Hassouna Salim
Journalist bei Al Quds und Fotojournalist aus Gaza, eng vernetzt mit Osama Al-Ashis Medienstrukturen. Postete am 07.10. morgens vorab Screenshots des Geisel-Videos auf Telegram, noch bevor das vollständige Material veröffentlicht wurde.

Mohammed Quandeel
Lokaler Medienmitarbeiter und Fotograf aus dem engsten Kreis um Al-Ashi und Salim. War am Morgen des 07.10. nachweislich in unmittelbarer Nähe positioniert und dokumentierte die Ereignisse fotografisch.

Hisham M. Alnwajha
Journalist und Fotograf aus Gaza, der eng mit den genannten lokalen Mediennetzwerken agierte. Trug durch seine Aufnahmen vor Ort zur visuellen Dokumentation der Geiselnahme am al-Shifa-Komplex bei.

Namentlich unbekannt (SNG-Team / Übertragungswagen)
Teil des stationären Technikteams, das den Satelliten-Übertragungswagen (SNG) direkt al-Shifa-Krankenhaus betrieb. Recherche-Hinweis: Anfragen bei lokalen Medienfirmen, Satellitenwagen-Verleihern und der Journalistengewerkschaft in Gaza blieben ergebnislos oder wurden mit „unbekannt“ abgewiesen – ein Beleg für die systematische Vertuschung dieses professionellen Setups.

Namentlich unbekannt (Mobiler Technik- und Begleitstab)
Enger Mitarbeiter aus dem direkten Umfeld der mobilen Kameragruppe. Recherche-Hinweis: Auch hier verweigern lokale offizielle Stellen und Medienorganisationen jede Auskunft, um die Verstrickung dieser Infrastruktur in den 07.10. zu verschleiern.

Namentlich unbekannt (Kameramann auf dem al-Shifa-Gelände)
Dieser Kameramann im gestreiften T-Shirt filmt, wie die Geiseln aus dem grünen Militärjeep 703-145 geführt werden.

Namentlich unbekannt (Kameramann und Journalist mit blauer Presseweste auf dem al-Shifa-Gelände) Dieser schwarz gekleidete Kameramann mit Basecap beobachtete ebenso wie der Journalist mit der blauen Presseweste den grünen Militärjeep 703-145 mit den 6 israelischen Geiseln.

Namentlich unbekannt (ein zweites SNG-Team / Übertragungswagen mit rotem Aufdruck „Press“)
Teil eines zweiten stationären Technikteams, das den Satelliten-Übertragungswagen (SNG) direkt am al-Shifa-Krankenhaus betrieb. Es löst das erste Team ab. Es könnte sich um einen Übertragungswagen der ehemaligen ZDF-Partnerfirma in Gaza handeln.

Recherche-Hinweis: Anfragen bei lokalen Medienfirmen, Satellitenwagen-Verleihern und der Journalistengewerkschaft in Gaza blieben ergebnislos oder wurden mit „unbekannt“ abgewiesen – ein Beleg für die systematische Vertuschung dieses professionellen Setups.

Namentlich unbekannt (Journalist mit blauer Presseweste vor dem al-Shifa-Gelände) Dieser Journalist beobachtet, wie das Motorrad mit dem Leichnam von Ran Gvili in die Einfahrt des al-Shifa einfährt.

Chronologie des 07.10.

Erst passiv, dann aktiv – Die Regiezentrale am Morgen

Die Chronologie dieses Morgens beginnt nicht mit einem überraschenden Ereignis auf der Straße, sondern in einer redaktionellen Schaltzentrale. Die Aufarbeitung startet in den Büroräumen der Medienproduktionsfirma „Wide Media“ von Osama S. Al Ashi. Die Kamera blickt aus der Vogelperspektive direkt auf die Straßenszene und den Eingangsbereich des al-Shifa-Krankenhauses. Im Hintergrund hallen die Rufe der Minarette durch Gaza, es ist der orchestrale Soundtrack für den Terror dieses Morgens. Noch bevor die Akteure selbst das Geschehen auf der Straße betreten, fängt diese Eröffnungssequenz die Stimmung im Raum ein und etabliert die passive Beobachtungsposition, aus der heraus das nachfolgende Geschehen gesteuert und seziert wird.
Die Aufnahmen zeigen eine erschreckende Transformation: Wie aus Zuschauern nahtlos Mittäter der medialen Inszenierung werden – erst passiv, dann aktiv.

„Allah ist am größten, Allah ist am größten. Der palästinensische Widerstand schlägt auf den Besatzungsstaat ein…

Der aus den Lautsprechern des Minaretts übertragene vollständige Text lautet:

„Allah ist am größten, Allah ist am größten. Der palästinensische Widerstand schlägt auf den Besatzungsstaat ein, zur Unterstützung der Al-Aqsa-Moschee, zur Verteidigung der islamischen Heiligtümer, als Rache für das Blut der Märtyrer, zur Verteidigung der Gefangenen in den Gefängnissen der Besatzer, und die Zahl der Toten bei der Kontrolloperation steigt an und wir können sie jetzt nicht beziffern.“

Hassouna Salim u. Osama S. Al Ashi, starren gebannt auf ihre Smartphones.

Passiv: 2 Männer starren gebannt auf ihre Smartphones. In diesem Moment sind sie noch passiv: Sie verfolgen live die Übertragungen der Hamas-Terroristen direkt aus Israel. Die Kamera dokumentiert hautnah, wie die Anwesenden gebannt auf die Displays starren, wo in Echtzeit die ersten Telegram-Meldungen und Schockbilder von Straßen und Opfern die Runde machen. Sie konsumieren den Terror in Echtzeit und sie veröffentlichen alles gleichzeitig auf ihren Telegram-Kanälen.

Ein entscheidender Facebook-Post von Hassouna Salim vom Morgen des 7. Oktober dokumentiert das zusammentreffende Personal. Ein Kameraschwenk führt uns in den Hausflur des Firmengebäudes. Hier stehen Männer, drei von ihnen – angeführt von Osama S. Al-Ashi selbst – in blauen Schutzwesten mit der unübersehbaren Aufschrift „PRESS“. Als vierter Mann im Bunde, der Fotograf dieser Aufnahme, wird später Hisham M. Alnwajha identifiziert.

Der Wendepunkt: Die Übernahme der Live-Regie:
Doch sie bleiben keine passiven Beobachter. Zusammen mit Osama Al-Ashi (in dessen Büro sie sich befinden) wissen sie zu diesem Zeitpunkt bereits genau, was geschieht. Beim Betrachten der Livestreams aus Israel fällt die Entscheidung, genau diese Live-Berichterstattung nun auf der Seite von Gaza fortzuführen und zu übernehmen. Sie wissen nun exakt, was auf sie zukommt. Die Gruppe teilt sich strategisch auf.

Aktiv: Die arbeitsteilige Ausführung (Quandeel und das al-Shifa-Team):
Mohammed Quandeel verabschiedet sich und macht sich auf den Weg in Richtung der israelischen Grenze. Seine Aufgabe: Er fungiert als vorgeschobener Beobachter, begleitet den Geiseltransport ein Stück des Weges und veröffentlicht die entsprechenden Sequenzen in zeitlicher Abfolge auf seinem Telegram-Account, womit belegt ist, dass er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht am al-Shifa aufhielt. Gleichzeitig rüstet sich die Hauptgruppe um Osama Al-Ashi aus und macht sich von Wide Media aus auf den Weg mit einem klaren Ziel: das al-Shifa-Krankenhaus. Sie eilen nicht dorthin, weil sie von einem plötzlichen Ereignis überrascht wurden. Sie gehen dorthin, weil sie den Livestream gesehen haben. Sie begeben sich proaktiv an den Ort des Geschehens, um die Ankunft der israelischen Opfer mit ihren Kameras in Empfang zu nehmen und ihre eigene Live-Übertragung zu starten.

Der schwarze Jeep und die visuelle Dokumentation

Die erste Zwischensequenz zieht den Betrachter unmittelbar in das Geschehen und lässt sich durch eine Nahaufnahme präzise verorten: An einem schwarzen Jeep, aus dem Naama Levy herausgezerrt wird, entfaltet sich die Szene in überraschend ruhiger, professioneller Kameraführung (aus ca. 160 Metern Entfernung vom Standort des späteren grünen Jeeps). Ein professioneller Kameramann fängt die aggressive Gruppendynamik, die Rufe und die direkte Eskalation um das Fahrzeug in unmittelbarer Nähe des al-Shifa-Umfelds ein. Parallel dazu schlägt die digitale Welle hoch – ein Vorab-Screenshot auf Telegram, veröffentlicht von Hassouna Salim, spiegelt die Aufregung und die aggressive Gruppendynamik dieses Moments in Echtzeit wider.

Wenig später wird das Video zeitglich von Quandeel und Salim auf Telegram veröffentlicht.

Der schwarze Jeep mit Naama Levy und Ori Megidish

Minuten später wird dieser schwarze Jeep auf dem al-Shifa-Gelände gefilmt. Neugierige Zuschauer umringen das Fahrzeug. Gelbe Balken sollen das wahre Geschehen verbergen

Der schwarze Jeep mit Naama Levy und Ori Megidish hier auf al-Shifa-Gelände.

Der grüne Jeep und die Nahal-Oz-Konvois

Bevor der Hauptplatz komplett geflutet wird, schaltet die Kamera auf die Zwischensequenz mit den Berichten von Quandeel von unterwegs. Sie dokumentieren den schweißtreibenden Transport und die Stimmungsbilder auf den Straßen außerhalb des Zentrums.

Das Tempo zieht an, als der erste markante IDF-Jeep mit dem Kennzeichen 703-145 den al-Shifa-Komplex erreicht. Das Fahrzeug wird im Handumdrehen von einer wogenden Menge aus jubelnden Zivilisten und Hamas-Terroristen in Zivil eingeschlossen. Das Krankenhauspersonal verhält sich passiv und schaut dem Treiben zu. Bewaffnete Terroristen haben Mühe, die frenetische Masse zurückzuhalten. Laute Allah-u-Akbar-Rufe sind zu hören, Schüsse aus Maschinengewehren bestimmen diese Situation.

Schüsse aus Maschinengewehren bestimmen diese Situation.

Der Blick ins Innere:

Zwei hochauflösende Aufnahmen frieren diesen Moment zusätzlich ein; sie zeigen zeitlich leicht versetzt, aber in unmittelbarer Nähe des Jeeps, die Gesichter und die chaotische Energie vor Ort.
Ein weiteres Foto hält eine der zentralen Szenen fest. Zu sehen ist ein Kameramann, der das Umladen der israelischen Geiseln in einen Krankenwagen filmt. Die Begeisterung der Zuschauenden ist förmlich zu spüren. Eine verletzte Geisel liegt auf einer Trage, zugedeckt, nicht beachtet und umgeben von fanatisierten Unterstützern des Terrors der Hamas. Die Hamas führt unerbittlich Regie auf dem al-Shifa-Gelände.

Kurz darauf rollt ein weiterer Pulk von Fahrzeugen an – mindestens vier Fahrzeuge, die direkt aus den Kibbuzim im Umfeld der Nahal-Oz-Basis stammen. Das Geschehen hat längst die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen: Ein echter Satellitenwagen (SNG) samt festem Kameramann und Redakteur ist vor Ort und begleitet die Ankunft live, wie unter anderem die Aufnahmen von Rizek Abdeljawad (Xinhua) belegen.
Wie viele Fahrzeuge und Geiseln in diesen 2 Stunden auf das al-Shifa-Gelände gefahren werden, lässt sich nur erahnen. Die Fahrzeuge verlassen nach kurzer Zeit wieder das Krankenhausgelände.

Die Fahrt durch Rimal

Die Kamera Osama Al Ashis ist bereit. Er ist nun auf dem Weg zum Büro. Er schwenkt weiter, als der Konvoi das al-Shifa-Gelände wieder verlässt. Die Fahrt verlagert sich in den Stadtteil Rimal im Zentrum von Gaza-City, mit klarer Ausrichtung in Richtung Küste und Meer. Ein Video von Osama Al-Ashis Team fängt diesen Zug ein: Al Ashi steht in Position, er weiß, was nun kommt. Der Jeep und die anderen Fahrzeuge rollen, dicht besetzt mit feiernden Palästinensern vereint mit Terroristen, flankiert von einem fließenden Strom aus Zivilfahrzeugen und Begleitern, die den Straßenzug säumen.

Al Ashi steht in Position, er weiß, was nun kommt.

Den Schlusspunkt dieses Kapitels setzen die Videoaufnahme von Osama S. Al-Ashi von der Zufahrtsstraße zum al-Shifa und die AP-Aufnahme von Abed Abu Reash aus dem Innenhof des Krankenhauses: Das Motorrad mit den sterblichen Überresten von Ran Gvili stoppt, umringt von einer jubelnden Menge aus Zivilisten und bewaffneten Männern.

Al Ashi filmt aus seinem Büro, wie die israelische Geisel ins al-Shifa-Krankenhaus gebracht wird.

Die nahtlose Verbindung nach drinnen – Die CCTV-Zeitspanne (10:53 bis 11:01 Uhr)

Die digitale Welt schlägt Alarm: Über den reichweitenstarken Telegram-Kanal „Gaza Now“ (mit über 239.000 Abonnenten) geht eine Meldung samt Bild online, die den Transport von Leichen israelischer Soldaten aus den umkämpften Militärstandorten in den Gazastreifen hinein dokumentiert.

Direkt im Anschluss schlägt die Dokumentation die Brücke von den tumultartigen Außenszenen direkt in das Innere des Gebäudes. Zwischen 12:00 und 12:30 Uhr filmt Osama Al-Ashi aus seinem Büro, wie das Motorrad mit dem Leichnam von Ran Gvili (der im Kampf nahe des Kibbuz Alumim gefallen war) ankommt – während die von der IDF veröffentlichten CCTV-Überwachungsaufnahmen im exakten zeitlichen Fenster von 10:53 bis 11:01 Uhr die unmittelbare Weiterführung dieser Abläufe im Gebäudeinneren enthüllen:

Video 1

Dieses Video zeigt wie die nepalesische Geisel Bipin Joshi aus dem Kibbuz Alumim hereingezerrt wird.

Video 2

Die durch die Hamas verletzte thailändische Geisel Pornasawan Sudlamai aus dem Kibbuz Alumim wird auf einer Trage hereingefahren.

Um 10:53:11 – 10:53:21 Uhr (CCTV Part I): Die Kameras im Eingangsbereich und Foyer des al-Shifa-Hospitals erfassen, wie in Zivil gekleidete, teilweise bewaffnete Terroristen zwei Geiseln hineinbringen (ob es sich dabei um die allerersten handelt, die in das Krankenhaus verbracht wurden, ist unbekannt). Sie kontrollieren die Korridore und bewegen sich dabei erkennbar ortskundig durch die Krankenhausflure, während das medizinische Personal bereitwillig reagiert. Die Trennung zwischen Krankenhaus und Terrorzentrale scheint aufgehoben.

Um 10:55:38 – 10:56:02 Uhr (CCTV Part II): Auf den Fluren und Gängen wird eine verletzte Person auf einer Bahre manövriert, begleitet und dominiert von denselben bewaffneten Kräften, die die Kontrolle über die Wege im Gebäude ausüben.

Um 11:00:36 & 11:01:01 Uhr: Die Überwachungskameras dokumentieren die darauffolgenden Phasen auf den Fluren, wodurch die zeitliche und räumliche Kette zwischen dem Straßengeschehen und der Einlieferung in den Kliniktrakt lückenlos geschlossen wird.

Das Nasser-Krankenhaus in Khan Yunis: Die Ausweitung der medialen Inszenierung

Doch auch die weiteren Ereignisse an diesem 07.10. fügen sich lückenlos in dieses Bild. Die Berichte von Hassan Eslaiah, Muthana Al Najjar und ihren Gefolgsleuten aus Nir Oz fügen sich genauso in dieses Muster wie die Aufnahmen aus dem Süden Gazas, aus Khan Yunis und dem Nasser-Krankenhaus. Auch hier wurde die mediale Inszenierung exakt nach demselben Schema umgesetzt.
Amr Tabash, der unter anderem für internationale Sender wie die BBC und Al Jazeera arbeitete, filmte und fotografierte, wie Geiseln durch die Straßen von Khan Yunis transportiert wurden. Schockierende Szenen begleiteten diese Transporte.

Transport von Geiseln durch die Straßen von Khan Yunis.

Begleitende Szenen der Ankunft im Süden.

Tabash begleitet diesen Transport augenscheinlich von Beginn an. Die Fahrt endet auch hier in einem medizinischen Komplex – dem zweitgrößten des Gazastreifens, dem Nasser-Krankenhaus. Screenshots von Tabashs Instagram-Account belegen seine zeitnahe Präsenz vor Ort. Er dokumentiert dort, wie ankommende verwundete Terroristen in separate Bereiche des Klinikums gebracht werden, und hält auch den Transport einer Geisel bildlich fest. Inzwischen hat Tabash den Großteil dieses Materials von seinem Account gelöscht.

Dokumentation vor dem Nasser-Krankenhaus.

Ein weiterer Beleg, dass auch in das Nasser-Krankenhaus Geiseln gebracht wurden, ist ein Foto, welches auf einem Telegram-Kanal veröffentlicht wurde. Es zeigt die israelische Geisel xxx.

Fazit: Das Schweigen der Zeugen und die strukturelle Verstrickung

Was sich am Morgen des 7. Oktober 2023 in den Straßen von Gaza, vor den Toren des al-Shifa-Krankenhauses und wenig später auch am Nasser-Krankenhaus abspielte, war kein blinder Zufall des Krieges, sondern eine minutiös festgehaltene und öffentlich zur Schau gestellte Inszenierung. Die lückenlose Beweiskette – von den Aufnahmen an den Basis-Standorten über den koordinierten Transport in den Jeeps bis hin zu den CCTV-Aufnahmen und den Berichten aus den Kliniken – beweist, dass medizinische Einrichtungen von Beginn an als zentrale Umschlagplätze und Kontrollpunkte des Terrors dienten.

Die Recherchen vor Ort zeichnen ein klares Bild: Allein am al-Shifa-Krankenhaus waren 10 namentlich bekannte und 8 unbekannte „Journalisten“ zugegen. Am Nasser-Krankenhaus filmte und fotografierte ebenfalls mindestens ein namentlich genannter Journalist, wobei hier eine noch intensivere Untersuchung zu erfolgen hat. Allen diesen Beispielen ist ein gemeinsames Muster gemein: Keiner dieser Journalisten berichtete jemals wahrheitsgemäß über die wahren Vorgänge vor Ort. Stattdessen wurden die Aufnahmen verheimlicht, oder – wenn sie am 07.10. doch an Agenturen übermittelt wurden – mit gezielt verfälschenden Bildunterschriften versehen, um den wahren Ort und Kontext zu verschleiern.

Die Untersuchungen zu al-Shifa und dem Nasser-Krankenhaus legen ein klares System frei. Sie verdeutlichen die fundamentale Bedeutung dieser Kliniken innerhalb der Hamas-Strategie und beweisen, dass allen beteiligten Akteuren diese Rolle vollkommen bewusst war. Daraus ist zwingend zu schlussfolgern, dass den Informationen dieser Journalisten kaum zu trauen ist: Sie gaben gezielt das weiter, was Israel schaden konnte, und verschwiegen das Offensichtliche. Die hier namentlich genannten Journalisten und ihr direkter Dunstkreis agierten somit als willfähriges Instrument der Hamas-Propaganda.

Zu Beginn des Konflikts bildete das al-Shifa-Krankenhaus im Rimal-Viertel das Zentrum dieser Inszenierung, ehe die Hamas ihre Strukturen nach der Besetzung des Nordens durch die IDF in den Süden verlagerte. Die forensische Aufarbeitung bricht das jahrelange Schweigen, entlarvt die Akteure und konfrontiert die Öffentlichkeit mit der Realität hinter der palästinensischen Medienberichterstattung.

Schlussbemerkung

Das Versagen der Elite, die Mauer des Schweigens und der Zustand der Informationsgesellschaft

Meine journalistische bzw. forensische Aufarbeitung der Ereignisse vom 7. Oktober 2023 und der medialen Begleitung an den Krankenhäusern in Gaza entlarvt nicht nur die Verstrickungen der lokalen Journalisten und Agentur-Fotografen vor Ort. Sie offenbart zugleich ein katastrophales, bis heute hartnäckig verschwiegenes Totalversagen der israelischen Verantwortungsträger in Politik, Militär (IDF) und Nachrichtendiensten, die diese marschbereiten Infiltrationsachsen, wie sie auf der Hamas-Planungskarte von 2021 dokumentiert sind, völlig ignoriert haben.

Die Mauer des Schweigens: Der Umgang mit der Aufklärung

Noch erschütternder als dieses initiale Versagen ist jedoch der Umgang der Behörden mit meinen Aufklärungsbemühungen danach. Meine eigenen, über Monate hinweg unternommenen Versuche, in einen direkten und konstruktiven Dialog zu treten, liefen ins Leere. Zwar kam es vereinzelt zu Kontakten, doch diese entpuppten sich ausnahmslos als frustrierende Übung in Ausweichen und Relativieren. Das Muster war stets dasselbe: Erst gab es zögerliche Signale und scheinbare Zusagen auf niedrigster Informationsstufe, gefolgt von plötzlichen Dementis, dass es so doch nicht ginge.

Es folgten wohlklingende Versprechungen und vermeintliche Hinweise darauf, an wen man sich noch wenden könne – nur um bei genauer Prüfung festzustellen, dass es sich dabei um reine Einbahnstraßen handelte oder schlichtweg jede Antwort verweigert wurde. Dieses systematische Abwürgen, das Verstecken hinter Zuständigkeiten und das vehemente Totschweigen meiner Recherchen zeigen ein besorgniserregendes Bild: Man zieht es vor, die eigenen Versäumnisse und die unbequeme Wahrheit unter den Teppich zu kehren, anstatt sich der Realität zu stellen.

Ein persönliches Statement: Der Niedergang der Aufklärung

Dieses bitterste Fazit ziehe ich heute nicht aus dem Antrieb heraus, mediale Berühmtheit zu erlangen. Es speist sich aus der schmerzhaften Erkenntnis, dass es in der heutigen Zeit fast unmöglich geworden ist, einmal in die Welt gesetzte Narrative zu korrigieren. Was ich erlebe, ist im Grunde der schleichende Niedergang einer aufgeklärten Informationsgesellschaft: Einmal etablierte, ungeprüfte Darstellungen verfestigen sich so massiv, dass präzisierende Fakten und forensische Beweise wie ein leises Echo verhallen.

Konsequenz: Angesichts dieser Mauern, der Informationsverweigerung und der anhaltenden Absage an jegliche institutionelle Rechenschaft drängt sich mir unweigerlich die folgende Erkenntnis auf: Die gesamte militärische und politische Elite quer durch alle Lager in Israel hat ihr Recht auf Verantwortung verwirkt und sollte ihren Platz räumen. Nur ein kompletter, kompromissloser Neuanfang kann die Basis für eine echte Aufarbeitung bilden. Mich schmerzt, dass bis zum heutigen Tage meine Recherchen zum al-Shifa-Krankenhaus in Israel ignoriert werden.

Mit diesem Befund und der vollständigen Dokumentation beim Internationalen Strafgerichtshof (ICC) sind meine Recherchen zu den Ereignissen dieses Tages im al-Shifa hiermit unwiderruflich abgeschlossen.

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